
036 | Preisträger Projekt Antivilla, Potsdam, D Entwurf Brandlhuber+ Emde, Burlon, Berlin, DE Beim Umbau eines ehemaligen, südwestlich von Berlin gelegenen Stofflagers sollte von der üblichen bauphysikalischen Ertüchtigung der Außenhülle abgesehen werden. Stattdessen galt es, die hohen Baustandards infrage zu stellen und sich experimentell mit einem Verständnis von Architektur als Umwelt auseinanderzu- setzen. Gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Pichler entwickelten Brandlhuber+ ein innovatives Konzept, das eine Anpassung an die neuen Anforderungen als Atelier- und Wohngebäude erlaubt. Die Architekten ließen das Satteldach abtragen und ersetzten es durch ein Flachdach, das zudem konstruktiv als Überzug ausgebildet ist, sodass bis zu fünf Meter breite Wandöffnungen in das Mauerwerk geschlagen werden konnten, die die materielle Präsenz des Bestands betonen. Im Obergeschoss bildet der Saunaofen den Mittelpunkt abgestufter Temperaturzonen, die von innen nach außen kühler werden und durch transparente Vorhänge gegeneinander ab- gegrenzt sind. Der großzügige Raumeindruck des malerisch am Krampnitzsee gelegenen, für den Umbau entkernten Gebäudes bleibt so erhalten. Juryurteil Die Homogenität des roh belassenen Sichtbetons lenkt zu keinem Zeitpunkt von der Kernthese dieses außergewöhnlichen Gebäudes ab, das zwei Prinzipien der Raumbildung in sich vereint: auf der einen Seite der „konstruktive“ Raum der bestehenden Hülle und auf der anderen der „energiegesteuerte“ Raum, der durch verschiedene Temperatur- und Lichtzonierungen entsteht. Selten haben Architekten ein Haus derart konsequent in seine Bestandteile zerlegt und seine Strukturen so schonungslos offenbart wie bei diesem Projekt.